Besuch der Würzburger Hauswirtschaftsschülerinnen in Mwanza, Sommer 2010
„Die Menschen in Mwanza haben wir oft sehr glücklich gesehen, auch wenn sie nicht so viel haben wie wir. Die Herzlichkeit, die uns entgegengebracht worden ist, werde ich nicht vergessen“, so Katharina, eine der Würzburger Hauswirtschaftsschülerinnen am letzten Tag ihres Aufenthaltes in Mwanza. Die Begegnungen mit unzähligen Menschen in der Stadt am Victoriasee hatten alle zwölf jungen Frauen beeindruckt, besonders ihr herzliches und kollegiales Verhältnis zu ihren tansanischen Partnerinnen: „Wir kommen aus zwei unterschiedlichen Welten, sehen anders aus – aber ansonsten haben wir so viele Gemeinsamkeiten…“, stellte Sarah fest.
Knapp drei Wochen gemeinsam lernen, kochen, soziale Projekte besuchen und Freizeit verbringen, das war eine dicht bepackte Zeit mit vielen Erkenntnissen über das Leben in einem afrikanischen Land, mit Eindrücken, neuen Erfahrungen. „Hier geht alles langsamer. Es wird langsamer gearbeitet, Taxis kommen spät, Termine finden statt oder auch nicht. Aber daraus lernen wir Deutschen, dass wir ein Leben in Hetze führen. Es geht auch anders, auch wenn es für uns anfangs sehr schwer war, uns daran zu gewöhnen“, so die betreuende Lehrerin der Würzburger Klara-Oppenheimer-Schule, Doris Mehling.
Rollentausch: Die tansanischen Gastgeberinnen ließen sich bekochen und waren gespannt auf die fränkischen Spezialitäten ihrer deutschen Partnerinnen
auch den deutschen Schülerinnen, die sich nicht alle für „Dagaa“, kleine Fische in Kokosmuss-Sauce, begeistern konnten. Eine tansanische Lehrerin stellte fest, dass es in Ordnung sei, sich nicht in allem einig sein zu können. Ihnen in Mwanza sei es beispielsweise fremd, nach einem minutiös getakteten Plan zu arbeiten: “Your working and cooking is very fast. We have so much more time here.” So wurde neben der gemeinsamen Arbeit viel gelacht und gestaunt.
Sarah, Kabula und Irina: ein gutes Küchenteam.
So besuchten die jungen Frauen gemeinsam beispielsweise das Straßenkinderprojekt „Upendo Daima“, das von einer Holländerin und einem Tansanier geleitet wird. Die Schülerinnen kamen mit Jungen ins Gespräch, die in einem Jugenddorf in der Nähe von Mwanza leben und lernen. An einem anderen Tag wurden sie zum Mittagessen und zur Besichtigung in die Tagesstätte „Tunaweza“ für geistig behinderte Jugendliche eingeladen. Die Jugendlichen selbst hatten leckeren Reis, Kartoffeln und Fleisch gekocht und dazu frische Früchte serviert. Gemeinsam wurden Küche, Gartenarbeit und Nähwerkstatt des Hauses besichtigt, in der die Jugendlichen wunderbare Taschen und Decken zum Verkauf und zur Finanzierung der Stätte anfertigen, doch vor allem um zu erfahren, dass sie zu vielen Fertigkeiten fähig sind.
Die Jungen des Street Children-Projekts „Upendo Daima“ luden die Besucherinnen zum Tanz.
Besonders lehrreich war für die Hauswirtschaftsschülerinnen aus Würzburg und Mwanza der Besuch beim tansanischen Hauswirtschaftsverband TAHEA, dessen Gebietsleiterin den
Besuchern die Züchtung einer vitaminreichen und schmackhaften Süßkartoffel in der Region vorstellte, welche die Vitamin-Ernährung der Bevölkerung verbessern soll, leicht anzubauen und in unterschiedlichen einfachen Darreichungen zuzubereiten ist. Hierzu schrieben zwei der deutschen Schülerinnen auch einen Bericht für den deutschen Verband.
An einem ihrer freien Vormittage gingen die deutschen Schülerinnen aufden Markt, um dort Essenszutaten einzukaufen. Auch dies war ein Erlebnis: „Hier werden Obst und Gemüse auf dem Boden ausgelegt, nicht an Ständen. Feilschen ist wichtig, und es ist unglaublich voll, überall Menschen“, beschreibt Irina ihre Eindrücke vom bunten Markttreiben.
Die Besichtigung des zweitgrößten Krankenhauses im Land, der tansanischen Partnerklinik des Würzburger „Missio“, „Bugando Medical Centre“, war ein weiterer Höhepunkt für die deutschen und tansanischen Schülerinnen. Geführt durch den Leiter persönlich, erhielten sie Einblicke in die einzelnen Abteilungen, Krankenzimmer, vor allem aber in die Kantine und den hauswirtschaftlichen Bereich. Hier wurden viele Unterschiedliche zu deutschen Standards deutlich. Die Herzlichkeit des Küchenpersonals ermöglichte viele Eindrücke in die Zubereitung des Krankenhausessens.
Alle Schülerinnen vor dem Rathaus in Mwanza
Jeder Besuch eines sozialen Projekts oder einer Einrichtung wurde von Geschenken der deutschen Reisenden und ihrer fränkischen Sponsoren, Familien und Freunden begleitet. Sie überbrachten u.a. T-Shirts, Fußballschuhe und die besten Wünsche der Zuwendungsgeber, welche die erste Begegnung des Austauschs mit möglich gemacht hatten und sich auch für den Rückbesuch in Würzburg im Mai 2011 finanziell und ideell engagieren.
Auch eine TV- und Radiostation lud die deutschen und tansanischen Gäste ein und erklärte Technik, personelle Besetzung und Programm. Mit einigen Schülerinnen wurden Interviews geführt, die zu einem TV-Beitrag zusammengeschnitten wurden – ein weiteres Highlight der Reise. Kulturell ging es weiter mit dem Besuch des „Bujora Centre“, einem Freilichtmuseum, das den deutschen Besucherinnen das traditionelle Stammesleben der Tansanier näher brachte. Hier konnten die tansanischen Kolleginnen mit Stolz von ihren Wurzeln erzählen, Handwerk und Gebräuche erklären.
Die deutsche Gruppe vor dem Bismarck-Felsen
Der letzte Tag stand im Zeichen des gemeinsamen Kochens und Feierns. Am Abend vor der Abreise sollten über einhundert Gäste der VETA School, der Stadtverwaltung und aus den einzelnen besuchten Projekten mit einem fränkisch-tansanischen Buffet empfangen und verköstigt werden. Dies rief die organisatorischen Fertigkeiten der Lehrerinnen Doris Mehling, Joyce Kinabo und Flaviana Minde und die Ideen der Schülerinnen auf den Plan, die einen wunderbaren und unvergesslichen Abend zauberten. Auf tansanischer wie auch auf deutscher Seite wurden emotionale und zukunftsweisende Reden gehalten, die diesen Austausch nicht nur als Bereicherung für die beruflichen Erfahrungen der jungen Frauen, sondern auch als wesentlichen Beitrag zur Völkerverständigung und zum interkulturellen Austausch würdigten. Die deutschen Schülerinnen wurden einmal mehr mit tansanischer Volkstracht, Schmuck und viel Herzlichkeit beschenkt, und gemeinsam wurde tansanisch, international und „deutsch“ getanzt – in Form des Ententanzes. Happynes, Sarah, Kabula und Lisa auf der Straße
Conny resümierte am nächsten Morgen auf dem Flughafen von Mwanza spontan und aufgewühlt den Aufenthalt: „Es war wunderschön, sehr lehrreich, interessant, anstrengend, nervenaufreibend, mit viel Gefühl, also sehr berührend und unvergesslich. Und ich will wiederkommen.“
To be continued…

