Zum 25 Jahrestag der Erklärung der Kinderrechte am 20. November stellte sich neben acht weiteren Initiativen aus Würzburg auch unser Verein vor. Wir haben als Schwerpunkt die Situation der Kinder mit Behinderung gewählt und die entsprechenden Projekte vorgestellt.

 

M.W.A.N.Z.A. e.V.  möchte seit Mai 2000 den Nachbarschaftsgedanken innerhalb des „Weltdorfes“ fördern. Eine einzige Stadt, hier also die Pertnerstadt Mwanza in Tansania, kann leichter meinem Blick und Herzen nahe gehen als gleich die ganze Welt. So kann es zu einer „Sistership“ – Verschwisterung auch der Menschen kommen.

Der Verein möchte dabei helfen, die Entfernung zu überwinden und solidarisch denken zu lernen. So unterstützt er verschiedene kirchliche, soziale und Bildungsprojekte in Mwanza, um den Benachteiligten zu ihrem Recht auf ein menschenwürdiges Leben zu verhelfen. So erhalten auch zwei Einrichtungen für Kinder und Jugendliche mit Behinderung seit Längerem Förderung aus Würzburg.

Das ist zum Einen HURUMA, eine „special unit for handicapped children“, also eine Sonderschul-Abteilung, die einer Primary School zugeordnet ist. Getreu dem Namen, der „Mitgefühl“ bedeutet, arbeitet rund ein Dutzend Lehrkräfte und Erzieherinnen daran, die erschwerten Lernbedingungen durch besondere Zuwendung auszugleichen. Die Jahrgänge 1 mit 7 werden teils in gemischten Klassen unterrichtet.

Bis ins Jahr 2002 gehen die Kontakte zurück. Damals war HURUMA noch provisorisch in einem Bretteranbau neben der Kirche untergebracht. Anne Köbler vom M.W.A.N.Z.A. e.V. war sehr beeindruckt durch die hingebungsvolle Individualförderung z.B. auch eines autistischen Jungen. Die Kinder müssen mit verschiedenen Behinderungen fertig werden: körperlichen, geistigen, auch mit Hörschädigungen. Direktor Jacob Andrews wurde von seiner Vorgängerin Bertha Haas, einer kanadischen Laienmissionarin der Maryknoll-Schwestern, eingearbeitet und versteht es, das anspruchsvolle Niveau des Unterrichts beizubehalten. Über Jahre hinweg wurden Schülerinnen und betreuende Frauen durch das Mädchenförderungs-Projekt des M.W.A.N.Z.A. e.V. unterstützt. In den letzten drei Jahren übernahm der Verein gar zusammen mit einem weiteren Sponsor die Gehälter der Mitarbeiterinnen ganz.
TUNAWEZA, eine Werkstätte für Jugendliche mit Behinderungen, wurde gegründet, um Abgängern von Förderklassen eine lebenspraktische Perspektive zu bieten. Jana Schiemenz und Obadia Kalumbete, die beiden Initiatoren, erlebten praktisch, wie diese Kinder einfach in der Versenkung häuslicher Aufbewahrung untergingen. So riefen sie eine NGO und dann diese Werkstätte ins Leben, in der bis zu 22 junge Leute mit Behinderungen fit fürs Leben gemacht werden, soweit es ihre Grenzen zulassen. Und da besteht Optimismus: „Yes, we can! Wir können was! Haben wir als Namen gewählt, weil wir den jungen Leuten was zutrauen“, strahlt Obadia, der heute die Leitung der Einrichtung innehat.

Durchgeführt wird ein zweijähriges Trainingsprogramm, in dem die Schüler Tätigkeiten in verschiedenen Arbeitsbereichen ausprobieren und sich in diesem Bereich spezialisieren können. Im Vordergrund steht dabei, ein größtmögliches Maß an Selbstständigkeit und Selbstbestimmung zu erreichen und mit den Jugendlichen und ihren Familien gemeinsam herauszufinden, welche Arbeit oder welches Handwerk für jeden Einzelnen geeignet ist.

Das Center bietet neben der Ausbildung täglich eine warme Mittagsmahlzeit. Hier arbeitet inzwischen Hyacintha Fumbuka, einer der Hauswirtschaftsschülerinnen, die schon mit ihrer Klasse in Würzburg war. Dankbar meint sie: „Wenn ich beim Besuch der Würzburger Hauswirtschaftschülerinnen bei uns in Mwanza nicht mit den behinderten Jugendlichen in Kontakt gekommen wäre, hätte ich heute nicht einen so schönen Beruf, Köchin und Erzieherin zugleich.“  Sie leitet nun die Arbeitsgruppe Kochen und sorgt für das tägliche Essen. Für den Transport zur Werkstatt am Morgen und am Nachmittag zurück sind die Familien jedoch selbst verantwortlich. TUNAWEZA hilft mit Beratung und Unterstützung bei der Erarbeitung eines Mobilitätstrainings, das zum Ziel hat, die Schüler zu befähigen, mit möglichst wenig Hilfestellung den Arbeitsweg bewältigen zu können.

Da die Einrichtung in dem gemeiteten Haus sehr beengt untergebracht ist, hat der Vorstand des Trägervereins beschlossen, Unterstützung für ein eigenes Gebäude zu suchen. Durch den Verkauf der eigenen Patchwork- und Batikprodukte sind auch Eigenmittel dafür vorhanden. Der M.W.A.N.Z.A. e.V. sucht augenblicklich nach Fördermitteln, mit dem dieses zukunftsträchtige Projekt umgesetzt werden kann.

Auch bisher gab es manche Unterstützung, die auch über den inzwischen gegründeten deutschen Unterstützerverein Tunaweza e.V. läuft.

Beim Besuch einer Besuchsgruppe aus Würzburg im August dieses Jahres wurde nicht nur ein mittäglicher Imbiss geboten, sondern auch alle Bereiche der Arbeit in Augenschein genommen.

Im Rahmen der Städtepartnerschaft, die eben auch durch den Verein unterstützt  wird, kommen so auch die Kinder und Jugendlichen mit Behinderung besser zu ihrem Recht. „We all are brothers and sisters“, so wurde wiederholt die Gemeinsamkeit der Menschen aus Würzburg und Mwanza beschworen.

Zu den Bildern:

Tunaweza: Gemeinsam bekocht von den Jugendlichen in Tunaweza lassen es sich auch die Gäste aus Würzburg schmecken.
Huruma: Mit viel Geduld lernen die Kinder in Huruma Lesen und Schreiben.

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