Weg für Fischerlampen-Solarprojekt ist geebnet

Endlich führten die Bemühungen des M.W.A.N.Z.A. e.V.  zum Erfolg: Während des Empfanges der TSC-Jugendfußballer aus Mwanza im Rathaus werden die letzten Unterschriften unter eine Vereinbarung über ein Fischerlampen-Solarprojekt gesetzt. Damit steht der praktischen Umsetzung nichts mehr im Weg, sobald das System aufgebaut sein wird. Vorgespräche hatte es bereits im Februar beim Besuch der Delegation zusammen mit OB Georg Rosenthal gegeben.

 

Eigentlich hatte alles aber schon im Sommer 2011 begonnen. Gereizt von der Aufgabe, Solartechnik auch für die Menschen von Würzburgs Partnerstadt Mwanza besser zugänglich zu machen, machte sich Thomas Petsch an die Konstruktion einer Pilot-Anlage, um durch den praktischen Einsatz zu testen, ob Solarlampen denselben, gar einen besseren Nutzen haben als die bis jetzt benutzten Kerosinlampen. Dazu muss man wissen, dass die „Dagaa“, wir würden sie als „Meefischli“ bezeichnen, nachts durch Lampen angelockt und dann mit Netzen rund um die Lichtquelle gefangen werden. Das ist gehaltvolle Nahrungsgrundlage für die Bevölkerung, während der von uns importierte Viktoria-Barsch – viel weniger nährstoffreich – dort sofort über die Fischfabriken und Kühlhäuser in die Flugzeuge gelangt.

Die  technische Kompetenz und Erfindungsgabe des Würzburgers Thomas Petsch hat schon dazu geführt, dass er mit seinem „Münch Racing Team“ seit Langem den Weltrekord in batteriegetriebenen Renn-Motorrädern hält!

Während der Mainfrankenmesse des letzten Jahres bot sich die Gelegenheit, den Stadtoberen von Mwanza auf einem Testgelände das fertige System vorzuführen. Durch die Solarpaneele auf dem Dach werden zunächst die Batterien in acht Schwimmbojen aufgeladen; sie locken dann nachts mit einer LED-Lampe die Fische an. Das linke Bild zeigt als Beispiel eine dieser Bojen.

Die Besucher sind begeistert von der Anlage.

Und so war die Reaktion von Thomas Petsch ganz folgerichtig: „Dieses Solarsystem übereigne ich nun dem M.W.A.N.Z.A. e.V. . Der soll das Weitere organisieren.“ Mit seiner Frau (Hintergrund Mitte) wolle er durch seine Basler-Petsch sunpark GbR auch für Transport und Aufbau der Systems aufkommen.

Welch langen Weg die 350 kg schwere Transportkiste noch zu überstehen hätte, das konnte er da noch nicht ahnen. Mitte Februar kam die Fracht in Daressalam an, es dauerte noch Wochen, bis die Formalitäten erledigt waren.

Bei den Fischern vor Ort

Anfang Februar besuchte die Würzburger Delegation das Fischerdörfchen Luchelele am Stadtrand von Mwanza. Der Fischereireferent hatte die Fischer versammelt und bereits vorher instruiert. So folgten auf die Begrüßung des OB und eine motivierende Einführung in die neuen solaren Möglichkeiten durch Michael Stolz kenntnisreiche Fragen der Fischer. Stolz resümierte: „Tansania ist ein energiereiches Land, wenn erst die Solarenergie genutzt werden wird. Dann ist es auch nicht mehr von den steigenden Ölpreisen abhängig!“

Schwierige Verhandlungen bei dieser Public-Private-Partnership

Für die vier Vertragspartner wurde ein Memorandum erarbeitet, das die praktische Umsetzung festschreibt. Stephan Link war mit dabei: „Das ist ein gutes Beispiel für eine public-private-partnership, von der man jetzt so oft hören kann: Die Fischerei-Kooperative, die Stadtverwaltung von Mwanza, TAREA (tansanischer erneuerbare Energien Verband) und der Würzburger M.W.A.N.Z.A. e.V. verbünden sich, um was Gescheites für die Menschen hier zu erreichen.“ Kurz vor der Vertragsunterzeichnung wurde der Rang dieses Vertrages aber von tansanischer Seite so hoch eingeschätzt, dass die beiden obersten Repräsentanten der Stadtverwaltung ihn unterschreiben sollten – die aber leider auf Dienstreise waren.

Rechtliche Überprüfungen, Textüberarbeitung und kleinere Kompromisse brauchten dann noch mehrere Monate, bis endlich am 28. Juni in Mwanza alle nötigen Unterschriften erfolgten.

Unterzeichnung im Würzburger Rathaus

Der Empfang für die TSC-Jugendfußballer aus Mwanza bot schließlich den würdigen rahmen, um auch durch den M.W.A.N.Z.A. e.V. die fehlende Unterschrift unter die Schlussfassung zu setzen. Oberbürgermeister Georg Rosenthal und der Vertreter der Stadt Mwanza lobten das Zustandekommen. Mahinya: „Wir freuen uns , dass die Fischer bald sauberer, umweltschonender und gesünder fischen werden.“ Der persönliche Vorteil für sie ergebe sich daraus, dass die Ausleihe der Solarbojen billiger sei als das konventionelle Kerosin, das sie bisher verwendet hätten.
Thomas Petsch blieb nach den überlangen Vorverhandlungen aber noch skeptisch: „Ich hätte gerne schon viel früher gewusst, wie das System sich praktisch bewährt. Das ist ja ein Pilotprojekt, bei dem sicher noch Probleme zu bewältigen sind. Bitte kein voreiliges Lob!“

Bis Oktober wird er sich noch gedulden müssen, da wegen organisatorischer Umstellungen erst dann der anreisende Techniker mit den Fachleuten von TAREA das Solarsystem aufbauen kann. Wenn alles klappt, wird die Einweihung in Anwesenheit einer Würzburger Gruppe erfolgen: Schüler der Technikerklasse der Franz-Oberthür-Schule werden dann ihre Partner-Berufsschule VETA in Mwanza zu einem Praktikum besuchen.

Wenn das Solarsystem sich durch die Leihgebühren amortisiert hat und ein weiteres System - vermutlich dann in verbesserter Form, da man aus den Erfahrungen gelernt hat - angeschafft werden kann, dann wird der Kooperative das Pilotmodell übereignet. So könnte sich ein ökologischeres Fischen ausbreiten ...


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