Am Freitag, den 19.4. landete nachmittags der Flieger der Ethiopean Airlines in Frankfurt. Erleichterter Empfang der Organisatoren aus Würzburg: Homaira Mansury, Akademie Frankenwarte; Ralf Geisler, Franz-Oberthür-Schule, Dobrochna Zawisza, Stadtjugendring Würzburg, und Michael Stolz, M.W.A.N.Z.A.  e.V.

Durch die noch blattlosen Wälder des kühlen Spessarts ging es nach Würzburg, gleich in die Franz-Oberthür-Schule, wo ein Begrüßungsessen auf die 14 Gäste aus Mwanza wartete. Ein freudiges Wiedersehen gab es mit einigen Schülern der Technikerschule, die im Oktober drüben in der dortigen Berufsschule VETA gewesen waren.

Nach der Ausgabe wärmerer Kleider wurde das Wohnheim der Stadtbau in der Sonnenstraße 23 b inspiziert, in dem vier Wohnungen für sie reserviert waren, die kostenlos zur Verfügung gestellt wurden. Schulleiterin (=Registrar) Dorothy Kihampa und Fachbereichsleiterin der Klempner Thereza Makinda waren je in einem Stockwerk vertreten.

 

Samstag, 20. April: Würzburg wurde erkundet, zunächst von oben. Frankenwarte, Käppele, der Stationenweg zur Stadt hinunter waren die ersten Schwerpunkte. Die Festung Marienberg diente dann auch als Ort für das Picknick im Freien. Um 16.00 h fuhr die „Alte Liebe“ nach Veitshöchheim ab, wo der Rokoko-Hofgarten beeindruckte. Ein Abendessen im KULT rundete die ersten Eindrücke ab.

Sonntag, 21. April: Am Vormittag besuchten die Katholiken das Hochamt im Dom, das musikalisch von den Jungen Herren gestaltet wurde; die Angehörigen der Pentecostal Church wurden im Freedom Worship Center gastlich aufgenommen. Mit zwei Kleinbussen ging die Fahrt dann nach Stuttgart, wo ein Bundesligaspiel im Stadion stattfand. 50600 Zuschauer bejubelten den Sieg des VfB Stuttgart gegen den FC Freiburg mit 2:1. Das perfekte Spiel, die routinierten Fan-Gesänge wie auch die gut funktionierende Organisation beeindruckten die Afrikaner sehr. Auf dem Heimweg wurde in Widdern Station gemacht, wo Heiko, der selber mit in Mwanza gewesen war, für ein Abendessen bei der Freiwilligen Feuerwehr gesorgt hatte.

Montag, 22. April: In einem ganztägigen Einführungsseminar in der Akademie Frankenwarte wurde versucht, den Kulturschock und die so ganz anderen Lebensumstände in Deutschland aufzuarbeiten. Die 20- bis 25-Jährigen waren überwiegend noch nie aus Mwanza herausgekommen. Seit Dienstag letzter Woche waren sie bereits unterwegs: zunächst eine lange Tagesreise mit dem Bus, um die über 1000 km nach Daressalam zu überwinden. In der deutschen Botschaft mussten sodann die Visa persönlich abgeholt werden. Sie waren dort bei einer Einrichtung in Chamazi untergekommen, wo die Würzburger Erlöserschwester Berntraud sie gut aufgenommen hatte. Nun wurden Erwartungen, Ängste und Fragen artikuliert, auf die der langjährige Würzburger Stephen Makinya gut eingehen konnte.

Dienstag, 23. April: Das Frühstück musste wie an den folgenden Tagen selber bewerkstelligt werden, dazu waren die Vorräte besorgt worden. Von 8.35 h an war der Vormittag, wie an den folgenden Tagen auch, dem Schulbesuch gewidmet. Diesmal stand ein Rundgang durch die Werkstätten und eine offizielle Begrüßung durch den Schulleiter OStD Tutschku bevor. Mit dem Besuch der Cafeteria, wo das Mittagessen durch Prof. Stich spendiert wurde, begann der Besuch der Missionsärztlichen Klinik. Dabei wurde der Schwerpunkt auf die technischen Anlagen gelegt: Heizung, Rohrpost, Dampf- und Wasserversorgung. Auch der Blick über Würzburg begeisterte, das war am besten mit dem Bugando Medical Centre zu vergleichen. Das Abendessen wurde in der Uni-Stadtmensa eingenommen. Einige rundeten den Tag mit einem Konzert der Sing- und Musikschule ab.

Mittwoch, 24. April: Nach dem –wie sonst oft auch- gemeinsamen Mittagessen in den Mensa des Berufsbildungszentrums wartete das Studio des Bayerischen Rundfunks auf die Gruppe. Um 16.00 h erfolgte der Empfang der Stadt im Wenzelsaal. Bürgermeisterin Marion Schäfer-Blake und Städtepartnerschaftsbeauftragte Eva-Maria Barklind-Schwander begrüßten deutsche und tansanische Schüler und weitere in der Städtepartnerschaft engagierte Besucher.

Donnerstag, 25. April: Die Kantine von s.Oliver in Rottendorf erwies sich als sehr nobles Restaurant. Sowohl das Mittagessen wie auch vier Bekleidungsstücke spendierte das Textilunternehmen. So war im Outlet-Centre fröhliches Lachen zu hören, als die Gäste die große Auswahl hatten; teils wurde auch für Schwester oder Eltern ein Stück mitgenommen.  Der „Tag des Baumes“ auf dem Marktplatz vermittelte Wissenswertes über ökologische Zusammenhänge. Dabei wirkten die Umweltstation und Erlebniszentrum Wald aus Gramschatz zusammen. Zum Abendessen waren die Gäste eingeladen ins WuF, das „schwulesbische Zenrtrum“. Schmackhaft war die Kost – aber dass Homosexualität in Deutschland ganz aus der Kriminalisierung heraus ist, das war doch für tansanische Gewohnheiten ein starker Tobak., der bis zur Nachbereitung noch manche Diskussion zur Folge hatte.

Freitag, 26. April: Besonderheiten gab es am Nachmittag: zuerst eine Führung durch die Sammlung Konkrete Kunst im Kulturspeicher und anschließend der Stapellauf von Flößen. Unter dem Motto „Low Tech-Flöße für High Tech-Solarlampen waren von angehenden Architekten Bambus.- und Petflaschen-Konstruktionen entworfen worden, um den Fischern bei Mwanza vielleicht neue Impulse zum traditionellen Fischfang geben zu können. Prof. Fischer hatte dazu auch die Elektrotechnik einbezogen, die sechs Akkus und LED-Lampen für die Ausstattung sponserte (Prof. Bohne). Mit Schelchen der Fischerzunft wurde die Aktion sehr realitätsnah im Becken des Alten Hafens durchgeführt. Da hatte  es sich auch Oberbürgermeister Georg Rosenthal nicht nehmen lassen, persönlich anwesend zu sein.  Die Unermüdlichen besuchten am Abend noch die Diskothek Airport.

Samstag, 27. April: Auch soziale Aspekte der deutschen Gesellschaft sollten erfahrbar werden. Deshalb wurde das „Luftschloss“ am Bahnhof besucht, wo erläutert wurde, wie dieses Tausch-Kaufhaus funktioniert, damit auch Ärmere sich bestimmte Dinge leisten können. Währenddessen besuchten die Adventisten einen Gottesdienst der Würzburger Gemeinde. Sonst stand der ganze Tag unter der Regie des Stadtjugendrings, der von 13.00 bis 18.00 h das UNEP-Planspiel im Rathaus organisierte. Zusammen mit deutschen Jugendlichen wurden dabei klimapolitische Fragestellungen bearbeitet. Bewirtet wurden die Gäste dabei in zwei Restaurants: mittags im Standard und abends im Kashmir.

Sonntag, 28. April: Während die Pentecostals nochmals bei ihren Glaubensgeschwistern waren, besuchte der Rest die Residenz, die in einer englischen Führung erschlossen wurde. Ab 12.00 h war die Gruppe aufgeteilt auf verschiedene Gastgeber, die Eltern von Technikerschülern, einen evangelischen Pfarrer mit Tansania-Erfahrung aus Mittelsinn, einen Fußballverantwortlichen und die Familie Stolz. Spät, aber immerhin wurde das Abendessen in Randersacker erreicht, wohin die türkische Laienspielgruppe Vision eingeladen hatte.

Montag, 29. April: Nach Lötübungen im Vormittagsunterricht wurde der Sanitär-Großhandel Fa. Karl Endrich besucht, der den Gästen zunächst einmal ein Mittagessen spendierte. Überwältigend war das verfügbare Angebot für die Mwanzaner, die nur wenig davon aus eigener Anschauung kannten und vieles in nur schlechter Qualität bei sich kaufen können. Das war ein Hauptproblem im letzten Oktober beim Bau einer Solar-Kollektoranlage für warmes Wasser in Mwanza gewesen. Am Nachmittag wurde dann eine Baustelle der Stadtbau besichtigt, die den Gästen ja auch die Unterkunft gestellt hatte. Am späten Nachmittag erwartete dann Ingenieur Thomas Petsch die Installateur-Berufsschüler auf dem Schenkenfeld, wo er parallel zur Landebahn des Flughafens eine 4200 m2 Photovoltaik-Anlage betreibt. Der Stromverbrauch von 800 Deutschen wird damit erzeugt. Voller Überzeugung legte er dar, wie die Energiezukunft nur mit erneuerbaren Energien bewältigt werden kann. Auf dem Schützenhof klang bei einem ansprechenden Abendessen, natürlich wieder Geflügel und Gemüse reichlich dabei, der Tag aus.

Dienstag, 30. April: In der Schule stand Stahlbearbeitung auf dem Programm. Ein kurzer feierlicher Termin eröffnete den Nachmittag: Die Goldene Friedenstaube wurde vom M.W.A.N.Z.A.  e.V. an den Schulreferenten Muchtar Al Ghusain weitergegeben. Dieser Wanderpreis ist von der Grundschule Heuchelhof, einer UNESCO-Schule gestiftet worden. Der Rest des Nachmittags diente dem Einkaufsbummel. Immerhin hatten die Jugendlichen 40,00 € Taschengeld für persönliche Verwendung erhalten. Nach dem Abendessen wurde auf eigenen Wunsch der Tansanier ein Altenheim besucht, St. Thekla, gerade gegenüber ihrem Wohnheim. Dieser ganz andere Umgang mit dem Alter überraschte die jungen Leute sehr, die gewohnt sind, dass alte Leute innerhalb der Familie mitgetragen werden. Und die ganz Unentwegten besuchten am Abend noch die Chroprobe des Missio-Chores, der sie gleich mit Kisuaheli-Liedern begrüßte.

Mittwoch, 1. Mai: Obwohl verlockende Angebote angeboten wurde: das Bürgerfest auf dem Heuchelhof und die Aktivitäten rund um die Aktion „Würzburg ist bunt“, kam diesen Tag der Wunsch nach freier Selbstbestimmung zu voller Geltung. Um 18.00 h kochten Freunde des M.W.A.N.Z.A.  e.V. mit ihnen zusammen in den Küchen ihrer Unterkunft für sie. Ein „Mädelsabend gegen Rechts“ im Studentenhaus, bei dem Homaira Mansury eine der Sängerinnen war, lockte sie dann doch noch aus dem Haus.

Donnerstag, den 2. Mai: Am Nachmittag wurde ein weiteres soziales Projekt besucht, die Wärmstube in der Ludwigstraße. Dabei wurde eingehend auf die prekäre Lage von vielen Menschen in unserer eigentlich so reichen Gesellschaft hingewiesen.  Zeit zum Einkauf von Mitbringseln und eine erste Gepäck-Verteilungsaktion im Wohnheim der Stadtbau fanden dann bis in den Abend hinein statt. Manches wurde für soziale Einrichtungen in Mwanza mitgegeben: Nähmaschinen-Holz-Unterkonstruktionen, Bälle und Sportschuhe für das Kinderheim Upendo Daima in Malimbe, Ersatzteile für das Fischerlampen-Solarprojekt in Luchelele – und natürlich manche Geschenke der letzten beiden Wochen. Auch musste Platz vorgesehen werden für die offiziellen Geschenke an die VETA-Berufsschule, die beim Abschiedsabend erst überreicht werden.

Freitag, den 3. Mai: Dieser Tag entführte die ganze Gruppe in den schon vertrauten Rahmen der Akademie Frankenwarte. Bis zum Nachmittag wurden positive Erfahrungen, Irritierendes, zu Verbesserndes gesammelt und ausgetauscht zusammen mit Stephen Makinya, der als Tansanier alles sehr gut einordnen und verstehen konnte. Die verblüffende Sicherheit auch nachts (PKWs ungeschützt auf der Straße), das Klappen von Organisation (Residenzlauf, Bundesligaspiel), die Verfügbarkeit von Ersatzteilen im Großhandel, die Überalterung der Gottesdienstbesucher – und der ganz andere Umgang mit Homosexuellen fanden erstaunte und verwunderte Reaktionen.

Der Farewell-Abend führte dann alles Erlebte und viele Personen noch einmal zusammen. In der festlich geschmückten Aula der Franz-Oberthür-Schule boten die Köche ein erlesenes Buffet; Bilder, Lieder, Dankreden und Abschiedsworte erfüllten den Abend.

Samstag, 4. Mai: Nun ging es ans packen und Ausräumen am Morgen. Ein später Brunch im Kult stärkte dann für die Fahrt nach Frankfurt. Der gesponsorte Besuch des Main Towers ließ von hoch oben vom Wolkenkratzer aus Frankfurt und Umgebung weltstädtisch erblühen. Paulskirche, Römerberg und die innere City wurden erwandert. Erst um 22.00 h verließ der Flieger Frankfurt und Deutschland und Europa.

Am Sonntag um 13.30 h wurde Daressalam erreicht. Und am Dienstag Abend gegen Mitternacht kam der Fernbus nach 17 Stunden in Mwanza an. Alle gesund und um etliche Erfahrungen reicher wieder in der Heimat zurück!

Michael Stolz

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