Beeindruckender Mwanza-Besuch durch Würzburger Gruppe
Als krönenden Abschluss des 25-jährigen Vereinsbestehens des Partnerschaftsvereins M.W.A.N.Z.A. e. V. reisten 13 Würzburger:innen, 8 Frauen und 5 Männer zwischen 30 und 80 Jahren, in die Partnerstadt. Gleichzeitig werden damit, parallel zur Ausstellung „Weltkunst aus Tansania“ im Foyer des Rathauses, Akzente zum 60-jährigen Bestehen der Städtepartnerschaft gesetzt. Mit einem Festakt im Juni wird die Stadt Würzburg das noch feierlich begehen.
Unter der Leitung von Michael Stolz, dem Vereinsvorsitzenden, nahm die Gruppe zunächst am Musikfestival Sauti za Busara in Sansibar teil. Auf dem Programm stand auch die Besichtigung der Weltkulturerbestätte Stone Town, des ältesten Teils von Sansibar-Stadt.
Nach kurzem Strandaufenthalt wurde das Barefoot College besucht, das mit seinem Konzept sehr beeindruckte: In Kursen werden Frauen ohne formale Schulausbildung darin ausgebildet, kleine Haus-Photovoltaik-Anlagen einzurichten und später zu warten. So erhalten Dörfer ohne Stromanschluss eine elektrische Grundversorgung. Die Ingenieurin Gerlinde N. sah darin, „eine gute Anregung für ähnliche Dörfer bei Mwanza“. Außerdem bekommen die Frauen zu Bildungs-, Erziehungs- und Aufklärungsthemen Unterstützung.
In Mwanza erwartete die Gruppe ein dichtes Programm. Gleich zu Beginn traf sie auf eine alte Bekannte: Anunsiata Girye Peter stand kurz vor ihrer Rückreise nach Würzburg, wo sie etwa das halbe Jahr mit ihrem Mann lebt. In Mwanza leitet sie die Montessori Sparkling Star Nursery School. Die konzentrierte und zugleich spielerische Lernatmosphäre in diesem Kindergarten beeindruckte die Besucher:innen: „So ein konzentriertes, selbstbestimmtes Arbeiten haben wir nur selten“, bemerkte Grundschullehrerin Anja B., die sich derzeit in einem Sabbatjahr befindet.
Am ersten Nachmittag folgte der Besuch des großen Montessori-Zentrums in Kiloleli. Neben dem Schultreiben fand sich eine kleine Bäckerei, die mit Solarspiegeln erhitzt wird und leckere Plätzchen und Brote herstellt. Selbstbewusst führte die Leiterin, die Franziskanerin Sr. Denise, ihre Gäste durch ihren landwirtschaftlichen Betrieb mit Kühen, Hühnern und Enten. Dabei betonte sie die Bedeutung von Verantwortung im Alltag und lobte einen Angestellten: „Du kümmerst dich um die Hühner wie um deine Familie.“
Am späten Nachmittag führte Mary Kabati vom Hauswirtschaftsverein TAHEA landwirtschaftliche Projekte wie den Anbau von Reis, Tomaten und Kohl vor: „So tragen wir zur gesunden Ernährung bei und verschaffen unseren Frauen ein eigenes Einkommen.“
Am nächsten Vormittag zeigte der zweite Vorsitzende Thomas Barcatta der Gruppe seinen Verantwortungsbereich und wie er das IT-Interesse in Mwanza fördern möchte: „Hier in der Butimba-Grundschule wurde der Computerraum durch die Grundschule Lengfeld finanziert. Die Ausstattung mit Möbeln sowie die Bereitstellung der Computer erfolgte durch den M.W.A.N.Z.A. e. V.“ Was daraus geworden ist, erfuhren die Besucher:innen in einer Vorführstunde, in der die Schüler:innen angeleitet wurden, einen kleinen Papp-Ventilator zu basteln und zu programmieren. Das Lehrpersonal bestand aus IT-Fachkräften des Start-ups MITzKits, das auch vom M.W.A.N.Z.A. e. V. geförderte Robotikkurse im Gunzert-Haus anbietet. „Einen so praktischen Unterricht sehe ich bei uns nur selten“, stellte die Architektin Ulrike L. fest.
Der Nachmittag wurde im Gunzert-Haus verbracht, dem kürzlich renovierten Sitz des früheren deutschen Gouverneurs. Das Jugendstil-Haus bietet eine kleine Ausstellung zur Kolonialgeschichte, einen Kunstartikel-Shop und einen tollen Ausblick herab auf die Märkte ringsum. Eine Bootsfahrt vom Bismarck-Rock zum Fischmarkt rundete die Erkundung für diesen Tag ab.
Der Samstag wurde genutzt, um Jugendhilfeeinrichtungen kennen zu lernen. Die Zufahrt zum Urafiki-Girls-Center gestaltete sich sehr beschwerlich. Das Gezeigte aber überraschte. 20 bis 30 Mädchen präsentierten ihre Ergebnisse stolz der Besuchergruppe: Wie man sich bewirbt und eine Arbeitsstelle am Computer sucht, erklärten Mädchen die Ergebnisse ihrer Gruppenarbeit. Stephan L. war davon so begeistert, dass er eine weitere Förderung aus Würzburg vorschlug, um diese guten Ansätze voranzubringen.
Einen Lern- und Spieletag verbrachten die Besuchenden beim Uzima-Centre, zu dem es bereits Kontakte seit Längerem gibt. Mit den Kindern ließen sie sich das Mittagessen aus Reis und Bohnen schmecken. Das Uzima-Centre unterstützt Menschen mit HIV und Kinder aus sozial benachteiligten Lebenssituationen. Durch das vom Würzburger Partnerkaffee geförderte Mittagessenprogramm erhalten 40 Jugendliche täglich eine Mahlzeit.
Anschließend führte der Weg zu Fonelisco, einem Kinderheim für Straßenkinder, das aus Thüngersheim Unterstützung erhält. Dabei wurden unterschiedliche Lebensrealitäten sichtbar: „Im Kinderheim teilen sich mehrere Kinder ein Schlafzimmer, teilweise auch ein Bett – eine Wohnsituation, die sich von den gewohnten Bedingungen in Deutschland unterscheidet“, sagte Hedwig K.
Der frühe Gottesdienst am Sonntag war nötig, um den Kiswahili-Chor in der Nyakahoja-Kirche zu erleben. Schwungvoll und lebendig gestaltete er die Messe mit. Anschließend traf sich die Gruppe mit dem Kirchenchor, der 2009 schon mit dem Würzburger Chor Voices in Mwanza aufgetreten war. Ein Video aus Würzburg wurde vorgespielt und eine Erwiderung darauf aufgenommen. Die frischen und kräftigen Stimmen der Sängergruppe erstaunten die Zuhörenden.
Gegen Mittag traf der Daladala (Kiswahili für einen Kleinbus) mit der Gruppe in Kisesa ein, um das Bujora Sukuma Museum zu besuchen. Sozialstruktur, Handwerk, Bauweise und Geschichte der in der Region Mwanza ansässigen Gemeinschaft werden hier lebendig. Auf der Heimfahrt erfreuten sie sich am sportlichen Treiben auf einem Sportzentrum, das mit Mitteln aus Würzburg in Zusammenarbeit mit „Mein Ball, dein Ball e. V.“ gebaut worden war.
Huruma, eine Bildungsstätte für Menschen mit Behinderung, lenkte am Montag die Aufmerksamkeit auf sich. Die individuell zugeschnittene Zuwendung zu den Jugendlichen imponierte sehr. An dieser Schule fördert der M.W.A.N.Z.A. e. V. seit Jahren die Hälfte der weiblichen Angestellten, indem er einen Teil ihrer Gehälter übernimmt und so ihre Beschäftigung langfristig sichert.
Zwei Arbeitsplätze wurden noch am Nachmittag besucht und beobachtet, wie MITzKits seine Technikbaukästen herstellt und wie in der Lederfabrik von Masia Mmari die Upcycling-Produkte von „Mein Ball, dein Ball“ entstehen. Aus alten Lederbällen werden modische Taschen und Rücksäcke hergestellt, die in Deutschland die sportlichen Initiativen in der Region Mwanza fördern.
Beim Abschlussabend kamen über 40 Gäste zusammen. Das Treffen bot Gelegenheit zum Austausch zwischen deutschen und tansanischen Partnern sowie zur stärkeren Vernetzung der Projekte vor Ort untereinander.
Nach einer anschließenden zweitägigen Safari rundeten Besuche in der St.-Theresa-Grundschule und im Shaloom Care House die Reise ab.
Gemeinsame Perspektiven und nachhaltige Eindrücke
Für die Teilnehmenden standen vor allem die Begegnungen im Mittelpunkt.
Susanne K. beschreibt die Reise als „neue Erfahrung“. Besonders die Besuche der verschiedenen Projekte und die Menschen, die dahinterstehen, hätten sie sehr beeindruckt und viele neue Eindrücke ermöglicht.
Auch Edda T. spricht von einer „großen Bereicherung“. Die Reise habe ihr neue Perspektiven eröffnet. Besonders bewegend sei für sie gewesen zu erleben, mit welchem Engagement Menschen ihre Arbeit gestalten und sich den täglichen Herausforderungen stellen. Die Denkanstöße seien für sie „mit nachhaltiger Wirkung“.
Ulrike L. und Ulrich K. berichten, dass ihnen während der Reise besonders bewusst geworden sei, „in welch privilegierten Verhältnissen wir in Deutschland leben“. Gleichzeitig habe die Begegnung mit den Menschen vor Ort Fragen aufgeworfen: etwa, in welchem Verhältnis materieller Wohlstand und Lebenszufriedenheit stehen – und wie selbstverständlich der eigene Lebensstandard oft wahrgenommen wird.
Noch unmittelbarer erlebt Anja B. die Situation vor Ort: Sie unterstützt derzeit in der Montessori-Schule und gewinnt so vertiefte Einblicke. „Ich bekomme eine Ahnung, welch großes, weitreichendes Unternehmen hier aufgebaut wurde“, sagt sie. Zugleich werde deutlich, welche Herausforderungen täglich zu bewältigen seien. Umso bemerkenswerter sei die Anerkennung durch die Schulbehörde, die die Schule als Modell für andere Einrichtungen sieht.
Schriftführerin Janneke Tiegna wurde während der Reise zudem noch einmal bewusst, wie stark historische Entwicklungen bis heute nachwirken. Auf Sansibar – einem wichtigen Ort des ostafrikanischen Sklavenhandels – ebenso wie in Mwanza mit seinen kolonial geprägten Gebäuden oder in der Serengeti mit ihren historisch gewachsenen Naturschutzkonzepten zeigen sich solche Kontinuitäten. Besonders deutlich werden diese für sie am Viktoriasee: Während größere Fischarten wie Nilbarsch und Tilapia vor allem für den Export nach Europa und in ostafrikanische Nachbarländer bestimmt sind, bleiben für die lokale Bevölkerung häufig kleinere Fische oder Verarbeitungsreste.
Kontakt:
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Michael Stolz
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